Häufige Fragen

Was ist eine Glomerulonephritis?
Eine Glomerulonephritis bezeichnet eine Entzündung der Nierenkörperchen, in denen das Blut gefiltert und von Giftstoffen gereinigt wird und die Vorstufe des Urins entsteht. Diese Entzündung betrifft stets beide Nieren. Sie wird durch eine Über- oder Fehlreaktion des körpereigenen Abwehrsystems erzeugt. Entweder richtet sich das Abwehrsystem gegen Strukturen der Nierenkörperchen selbst oder es bleiben im Filter der Nierenkörperchen Eiweißkomplexe (sog. Antigen-Antikörper-Komplexe) hängen, die dann die Entzündung vorantreiben. Die Glomerulonephritis kann alleine auftreten (primäre Erkrankung) oder Folge einer anderen Erkankung sein (sekundäre Erkrankung, z.B. bei Hepatitis oder Tumorleiden). Im letzteren Fall muss die Grundkrankheit behandelt werden, ansonsten wird die Glomerulonephritis direkt therapiert. Hinweise auf eine Glomerulonephritis bieten Veränderungen des Urins, Veränderungen bestimmter Laborwerte sowie eine auffällige Ultraschalluntersuchung. Beweisend ist aber stets nur eine Nierenbiopsie, die auch wichtig für Therapiefindung und Prognose ist.
Wie läuft eine Nierenbiopsie ab?
Eine Nierenbiopsie bedeutet einen kurzen Klinikaufenthalt von 24 Stunden. Die Blutgerinnung muss unaufällig sein, Aspirin oder Plavix sollte 7 Tage zuvor nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt pausiert werden. Ebenso sollte der Blutdruck auf Normwerte eingestellt sein. Die eigentliche Biopsie findet unter Ultraschallkontrolle statt. Eine Biopsienadel wird durch einen Führungskanal am Ultraschallkopf direkt unter Sicht an die Niere herangeführt, die Probeentnahme wird per Knopfdruck ausgelöst. Die Nadel kann durch die Führung nicht vom Weg abweichen, die Sicht per Ultraschall schließt Verletzungen anderer Körperstrukturen nahezu vollständig aus. Die Organpunktion selbst ist schmerzfrei, die Haut sowie der Stichkanal (Fett, Muskulatur) wird zuvor mit einem Lokalanästhetikum mittels Injektion betäubt. Nach der Biopsie müssen Sie Bettruhe bis am nächsten Morgen halten. Nach einer erneuten Ultraschallkontrolle sowie einer Blutkontrolle dürfen Sie wieder nach Hause gehen. In den nächsten Tagen sollten Sie schwere körperliche Arbeit meiden. Das Ergebnis des Pathologen liegt meist nach wenigen Tagen vor und wird dann mit Ihnen besprochen.
Welche Folgen hat eine Nierenerkrankung für meinen Körper?
Viele negativen Folgen einer Nierenerkrankung werden erst in späteren Phasen auffällig. Ein chronisches Nierenversagen per se schmerzt nicht und führt daher nicht automatisch zum Arztbesuch. Hier geht leider oftmals wertvolle Zeit verloren, in der noch therapiert werden kann. Mit deutlich nachlassender Nierenfunktion werden dann viele Körperfunktionen gestört. Die schleichende Vernarbung des Organs Niere führt zum Absterben von Zellen, die das Hormon Erythropoietin (EPO) bilden. EPO wird im Knochenmark zur Blutneubildung benötigt, sein Wegfall führt zur Blutarmut. Weiter führt eine nachlassende Kalziumaufnahme über dem Darm (wegen Mangel an aktivem Vitamin D) sowie eine Phosphatanreicherung des Blutes zur Überfunktion der Nebenschilddrüse, was den Knochen übermässig entkalkt und schädigt sowie die Blutgefässe rasch verkalken lässt. In der Spätphase der Erkrankung kann der Wasser- und Blutsalzhaushalt nicht mehr reguliert werden, es kommt zur Wassereinlagerung, eventuell sogar Atemnot. Gefürchtet ist eine Kaliumanreicherung des Blutes, die gefährliche Herzrhythmusstörungen verursachen kann. In jeder Phase einer Nierenerkrankung ist weiter das Risiko deutlich erhöht, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden. Am Ende steht die Harnvergiftung (Urämie) mit vielfältigen Veränderungen, z.B. Müdigkeit, Leistungsknick, Übelkeit, Erbrechen, Appetit- und Gewichtsverlust, Juckreiz, Herzbeutelentzündung.
Wie funktioniert die Bauchfelldialyse?
Die Bauchfelldialyse nutzt die anatomischen Eigenschaften des Bauchfells als „natürliche Dialysemembran“. Da das Bauchfell in unterschiedlichem Ausmass durchlässig ist für Giftstoffe, Blutsalze und Eiweiße, kann man durch das Einbringen einer Flüssigkeit in die Bauchhöhle gewünschte Konzentrationsausgleiche herstellen (z.B. das Entfernen von Giftstoffen aus dem Blut, die dann über das Bauchfell entlang eines Konzentrationsgefälles in die eingebrachte Flüssigkeit wandern). Die Flüssigkeit muss regelmässig ausgetauscht werden. Hierzu ist ein permanenter Kunstoffkatheter in die Bauchhöhle eingelassen, der am Bauch aus der Haut austritt und mit einem Verband fixiert unauffällig unter der Kleidung zu liegen kommt. Bauchfelldialysepatienten behandeln sich selbst zuhause oder am Arbeitsplatz. Der Flüssigkeitswechsel findet in der Regel viermal am Tag statt. Auf entsprechende Hygiene muss geachtet werden, dies wird aber ausführlich trainiert.
Was ist eine Shuntanlage?
Um das Blut bei Nierenversagen von Giftstoffen effektiv zu reinigen, muss eine größere Menge Blut pro Minute von der Dialysemaschine umgesetzt werden. Eine normale Vene, wie sie zur Blutentnahme oder zur Infusionsgabe genutzt wird, hat aufgrund niedriger (venöser) Druckverhältnisse kein ausreichendes Blutangebot. Dies bieten nur Arterien, in denen das Blut mit hohem Druck fließt und so theoretisch mehrere Hundert Milliliter pro Minute von einer Pumpe angesaugt werden können. Allerdings verlaufen die Arterien in der Tiefe der Arme und sind von der Muskulatur umgeben, also nur schwierig mit einer Nadel zu punktieren. Die Shuntanlage umgeht dieses Dilemma elegant, indem eine Arterie aus der Tiefe des Arme an eine oberflächlich verlaufende Vene angenäht und kurzgeschlossen wird. So fließt Blut mit hohem Druck durch ein leicht punktierbares Gefäss, die Entgiftung kann dann effektiv durchgeführt werden. Die Shuntanlage erfolgt in der Regel als gefässchiurgischer Eingriff in lokaler Betäubung, also ohne Vollnarkose. Der Arm kann hiernach ganz normal gebraucht werden, bis auf den „Gefässkurzschluß“ hat sich nichts geändert.
Wann muss ich an die Dialyse?
Hierfür gibt es keine allgemeingültige Antwort. Bestimmte Laborwerte wie Kreatinin oder Harnstoff steigen bei nachlassender Nierenfunktion an, sie sind selbst aber nicht giftig. Die eigentlichen, nicht messbaren Harngifte lösen früher oder später ein Krankheitsbild aus, das Urämie genannt wird und mit vielfältigen Veränderungen einhergehen kann (z.B. Müdigkeit, Leistungsknick, Übelkeit, Erbrechen, Appetit- und Gewichtsverlust, Juckreiz, Herzbeutelentzündung). Eine solche Symptomatik zwingt zum sofortigen Dialysebeginn. Weiter kann eine schwere Störung der Wasserregulation (Überwässerung) wie auch ein Entgleiten der Blutsalzkonzentration (vor allem zu hohe Kaliumspiegel, die zu tödlichen Herzrhythmusstörungen führen können) den sofortigen Dialysebeginn bedeuten. In jedem Fall ist der Dialysebeginn eine individuelle Entscheidung, die auch Begleiterkrankungen, Alter und Allgemeinzustand berücksichtigt. Die Dialyse sollte idealerweise vor dem Auftreten schwerer Komplikationen begonnen werden.
Warum sind die Untersuchungen zur Transplantationsvorbereitung notwendig?
Eine erfolgreiche Transplantation ermöglicht eine langjährige Kontrolle der Harnvergiftung (Urämie). Schädigende Veränderungen im Körper, z.B. eine beschleunigte Gefässverkalkung, werden aufgehalten oder rückgängig gemacht. Diese gesundheitliche Verbesserungen können nur durch eine dauerhafte Unterdrückung des Abwehrsystems erreicht werden, da ansonsten das neue Organ abgestoßen wird. Hierzu müssen lebenslang Medikamente (Immunsuppressiva) eingenommen werden. Da auch die Abwehr gegenüber Tumoren und Krankheitserregern reduziert wird, muss im Vorfeld der Transplantation sicher sein, dass keine unerkannte Krebserkrankung oder Entzündung vorliegt – diese würden unter Immunsuppression beschleunigt und eventuell fatal verlaufen. Weiterhin ist eine Transplanation ein großer chirurgischer Eingriff mit entsprechender Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Eine koronare Herzerkrankung muss daher ausgeschlossen oder gut behandelt sein, soll die Operation ohne Schaden gelingen. Weiter muss der Gefässbaum genau untersucht werden, da das neue Organ zu einem sicher in die vorhandenen Gefässe eingenäht werden muss, zum anderen können unbehandelte Gefässengstellen nach Transplantation zu einer kritischen Durchblutung im neuen Organ wie auch im übrigen Körper führen.